Zwölf Professoren. Eine Entscheidung.
Live Music Now setzt auf Luis Antonio Stamm.
Der Mandolinist Luis Antonio Stamm wurde am 10. November 2025 erfolgreich als Stipendiat der renommierten Live Music Now Yehudi Menuhin Stiftung Frankfurt aufgenommen. Die Aufnahme gilt als besondere Auszeichnung, da sie außergewöhnliche musikalische Begabung, künstlerische Persönlichkeit und gesellschaftliches Engagement gleichermaßen voraussetzt.
Seinen ersten Kontakt zur Stiftung erhielt Stamm im Rahmen seines Freiwilligen Sozialen Jahres, als eine Leiterin von Live Music Now auf sein außergewöhnliches Talent aufmerksam wurde. Nach der Sichtung erster Aufnahmen ermutigte sie ihn zur Bewerbung. Stamm stellte klar, dass er neben klassischer Zupfmusik auch Popmusik auf der Mandoline präsentieren möchte – ein Wunsch, dem die Stiftung zustimmte und der seine künstlerische Vielseitigkeit unterstreicht.
Die Audition fand am 10. November 2025 in Frankfurt statt. Vor einer hochkarätig besetzten Jury aus zwölf Professorinnen und Professoren setzte sich Stamm gegen eine Vielzahl hochqualifizierter Bewerberinnen und Bewerber durch, darunter fortgeschrittene Studierende verschiedener deutscher Musikhochschulen. Mit technischer Präzision, musikalischer Ausdruckskraft und einer unverwechselbaren persönlichen Handschrift überzeugte er die Jury und bestand die Aufnahmeprüfung.
Mit der erfolgreichen Aufnahme in das Stipendienprogramm zählt Luis Antonio Stamm nun zu den geförderten Nachwuchsmusikern der Yehudi Menuhin Stiftung.
Live Music Now Frankfurt verfolgt die Mission, Musik dorthin zu bringen, wo sie sonst selten erklingt – in soziale Einrichtungen, Kliniken, Seniorenheime und Förderschulen. Gleichzeitig bietet die Stiftung jungen Musikern wertvolle Bühnenerfahrung und eine nachhaltige Förderung ihrer künstlerischen Entwicklung.
Reifes Gespür für die Mandoline
Langen – Seit Jahren spielt er im Langener Mandolinen-Orchester – mal als Solist, mal als Konzertmeister. Luis Antonio Stamm feierte im vergangenen Jahr zudem sein Debüt bei den Profis vom hessischen Zupforchester. Und er produziert und veröffentlicht eigene Musik. Eine erstaunliche Bilanz des gerade erst 19 Jahre alten Langeners, der seit seinem zehnten Lebensjahr Mandoline spielt. Kürzlich erhielt er, zusammen mit der Gesangsgruppe „Gänseblümchen“ vom Obst- und Gartenbauverein, den diesjährigen kulturellen Förderpreis der Stadt Langen im Rahmen einer feierlichen Verleihung im Petrus-Gemeindehaus in der Bahnstraße (wir berichteten). Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt er von seiner Leidenschaft für Musik und seine beruflichen Optionen.
„Fast überall, wo ich spiele, bin ich einer der Jüngsten”, gibt Stamm lachend zu Protokoll. Damit meint er nicht nur die Mandolinen-Orchester Langen oder Eberstadt. Auch als Spieler im hessischen Zupforchester, hier musizieren neben erfahrenen Amateuren auch professionelle Instrumentalisten, hat sich Stamm erfolgreich bewiesen. Geboren wurde er in Nicaragua. In Langen besuchte er zunächst die Ludwig-Erk-Grundschule.
In dieser Zeit entstand seine Leidenschaft für Musik: Das Projekt „Zupfmusik macht stark“ des Mandolinen-Orchesters brachte ihn in der vierten Klasse zur diesem Instrument. „Die Mandoline hat mir gefallen. Sie ist zwar ein untypisches Instrument, aber klingt überaus virtuos“, schwärmt Luis Antonio Stamm. „Der Anfang war zwar schwierig, weil die Saiten der Mandoline zu Beginn an den Fingern wehgetan haben. Aber ich habe seit dem ersten Tag geübt und geübt.“
Das fiel auch seinem früherem Musikschul-Lehrer Heiko Rühmkorff und dem Dirigenten des Mandolinen-Orchesters, Uwe Ochs-Bliedtner, auf. „Ich wurde ins Mandolinen-Orchester eingeladen und seitdem spiele ich dort“, sagt Stamm. „Anfangs konnte ich nur nach Gehör spielen, im Orchester kam dann das Notenlesen dazu.“ Parallel verfolgte der junge Musiker auch Solo-Auftritte: Mit dem Hit „Despacito“ und anderen Stücken gab Stamm immer wieder Konzerte. „Ich habe da eine ganz bestimmte Sparte für mich gefunden: Die Mandoline ist in Deutschland nicht so bekannt, ich will sie aber mit Pop-Titeln bekannt machen“, erklärt er. Die Pop-Songs mit „Luis-Touch“ hat er selbst und mehrstimmig arrangiert.
Über die Jahre hinweg zeigte sich der junge Mann immer professioneller. Interessanterweise sei die Zeit der Corona-Pandemie für ihn sehr produktiv verlaufen, erzählt er. „Ich habe mir in meinem Musikstudio zu Hause am Computer das Musikprogramm Apple Logic Pro beigebracht. Wenn ich heute einen Song aufnehme, hat dieser bis zu 400 Spuren.“
Zudem habe er bereits rund zehn eigene Songs komponiert, in denen er zum Teil auch singe. Diese veröffentliche er unter anderem auf der Musikstreaming-Plattform Spotify.
Luis Antonio Stamm kann als Autodidakt bezeichnet werden, denn er genoss lediglich vereinzelt Unterrichtsstunden in den vergangenen Jahren, beispielsweise bei der deutschlandweit gefragten Mandolinistin Annika Hinsche in Wuppertal. „Ich habe mich oft einfach an meinen Vorbildern, wie an Dirigent Uwe Ochs-Bliedtner orientiert. Er ist einer der besten Spieler, die ich bis jetzt gehört habe“, urteilt Stamm. Auch bei Seminaren mit dem hochkarätigen Mandolinenspieler Avi Avital in Lübeck schaut sich der Langener Nachwuchskünstler viel ab. Diese Strebsamkeit und Leidenschaft für sein Instrument brachte Stamm 2024 den ersten Preis beim Musikwettbewerb der Sparkasse Langen-Seligenstadt ein.
Dass er in diesem Jahr auch den kulturellen Förderpreis der Stadt Langen erhalten hat, gilt als Überraschung. „Der Förderverein des Mandolinenorchesters hat mich bei der Ausschreibung einfach angemeldet. Ich wusste davon gar nichts und kannte auch den kulturellen Förderpreis vorher nicht“, berichtet der 19-Jährige. „Ich habe dann irgendwann eine E-Mail bekommen, dass ich gewonnen habe. Das war natürlich eine große, wohlwollende Überraschung.“
Praxis statt Musikstudium
Für Beobachter wäre es naheliegend, dass Stamm ein Musikstudium angeht. Der Langener hat jedoch andere Pläne: Im Herbst hat er ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Schule am Sommerhoffpark in Frankfurt begonnen. Dort erhalten hörbeeinträchtigte Kinder spezielle Förderung. „Ich lerne gerade Gebärdensprache und die Arbeit dort macht mir viel Spaß“, betont er. „Musik studieren möchte ich im Anschluss an das Freiwillige Soziale Jahr nicht. Mir fehlt ein wenig theoretisches Wissen. Ich bin eher der Praktiker, der viel spielen möchte. Das Studium wäre zu starr. Ich möchte mir die Musik als Hobby bewahren.“ Dennoch macht der junge Mann keinen Hehl aus seinen Ambitionen: „Mein Wunsch wäre es, einmal in einem großen japanischen Mandolinen-Orchester mitspielen zu dürfen. Das wäre eine einzigartige Erfahrung.“JUSTUS DIETSCHE
Quellenangabe: Offenbach-Post vom 20.10.2025, Seite 26
Ein außergewöhnlicher Erfolg für ein außergewöhnliches Talent
Beim Musikwettbewerb der Sparkasse Langen-Seligenstadt 2024 gewann Luis Antonio Stamm souverän den 1. Preis in der Kategorie Zupfinstrumente - ein Triumph, der die musikalische Entwicklung des jungen Mandolinisten eindrucksvoll bestätigt.
Doch dieser Erfolg kam nicht aus dem Nichts. Bereits seit mehreren Jahren arbeitet Luis mit bemerkenswerter Disziplin an seinem Instrument. Wesentlich geprägt wurde Luis in dieser Zeit durch seinen Unterricht bei Mandolinistin und Pädagogin Annika Hinsche. Hinsche, international gefragte Interpretin, Pädagogin und Dirigentin, unterrichtet u. a. an der Hochschule für Musik und Tanz Köln (Standort Wuppertal) sowie an weiteren Hochschulen.
Um Unterricht von ihr zu bekommen, nahm Luis einen außergewöhnlichen Aufwand auf sich: Mehrmals im Monat fuhr Antonio zu seinen Unterrichtsstunden nach Wuppertal, nahm die lange Strecke auf sich und nutzte somit intensiv die Chance, sich technisch wie musikalisch weiterzuentwickeln.
Annika Hinsche erkannte seine besondere musikalische Begabung und förderte ihn mit großer Professionalität und Feinfühligkeit.
Beim Wettbewerb selbst beeindruckte er die Jury mit einem warmen, tragfähigen Ton, einem brillanten Tremolo, unerschütterlicher Bühnenruhe und einer Musikalität, die weit über sein Alter hinausreicht.
Die Jury lobte seine „ausdrucksstarke Gestaltung, exzellente Tonkontrolle und eine natürliche Musikalität“, die ihn klar von anderen Teilnehmenden abhob.
Mit dem 1. Preis schaffte Luis nicht nur einen persönlichen Durchbruch, sondern setzte auch ein starkes Zeichen für die Mandoline als Konzertinstrument in der jungen Generation. Sein Erfolg ist Inspiration für viele Nachwuchsmusiker und gleichzeitig ein sichtbares Ergebnis seiner Leidenschaft.
BDZ-Dirigierworkshop – Luis Antonio Stamm erhält Zertifikat
Luis Antonio Stamm nahm 2024 am Dirigierworkshop des Bundes Deutscher Zupfmusiker (BDZ) teil. Geleitet wurde der Kurs von den beiden Dozenten Eva Caspari und Christian Wernicke, die den Teilnehmenden präzise Schlagtechnik, musikalische Leitung und professionelle Probenarbeit vermittelten.
Der Workshop fand in Zusammenarbeit mit dem Mülheimer Zupforchester und dem Leverkusener Zupforchesterstatt. Luis hatte dabei die Möglichkeit, echte Orchesterproben zu leiten, musikalische Entscheidungen zu treffen und wertvolle praktische Erfahrung zu sammeln.
Am Ende des Lehrgangs erhielt Luis das offizielle BDZ-Zertifikat, das ihn dazu befähigt, ein Zupforchester eigenständig zu dirigieren.
Ein bedeutender Schritt in seiner musikalischen Entwicklung – und ein weiterer Erfolg für das Zupforchester Langen.